Den späten Vormittag verbringe ich im Waschsalon. Erinnere mich an meine studentischen Münchener Zeiten, wo ich mit Birgit immer ins Café Freiheit in Neuhausen gegangen bin, während unsere Klamotten in der Maschine rollten. Also Buch eingepackt, etwas Kleingeld und den Wäschesack. Aber Pustekuchen… Die Gegend wird immer ärmer, weit und breit kein Café. Aber immerhin gibt es den Salon. Eine wirklich nette zahnlose Frau (1 Zahn) wäscht auch dort und erklärt mir alles. Auf mein“Lentement, s´il vous plait,“ hört sie leider nicht, aber ich verstehe ungefähr die Hälfte und starte den Waschgang. Da es in der Umgebung nur plattenbauähnliche Gebäude gibt beschließe ich mein Buch vor Ort weiter zu lesen, aber daraus wird nichts. Die Mitwäscherin ist sehr an einer Unterhaltung interessiert und supernett zu mir. Wir haben eine Win-Win Situation. Sie kann ihren ganzen Ärger über ihre kaputte Waschmaschine loswerden, ich werde langsam wieder besser im Französischen. Nach ca. 1,5 Stunden ist alles sauber und trocken und wir verabschieden uns herzlich.
Den Nachmittag trinke ich noch einen Kaffee mit meinem Bootsnachbar Francis und gehe recht früh schlafen.
18.10.2025
Frühstück und zum Bahnhof, um meinen Berliner Musikerfreund Andy abzuholen. Er hatte mal ein Stahlmotorboot, war aber noch nie mit auf Mawi, ich bin also gespannt. Wir schlendern ein wenig durch Namur und fahren dann per Bus zur Marina. Kurze Einweisung in Rettungsweste, Feuerlöscher, Leinen und Schleusen, ein kleiner Spaziergang, dann eine Einladung an Francis zu uns zu kommen. Wir unterhalten uns sehr nett, Francis will sein Englisch trainieren, wir unser Schulfranzösisch. Irgendwie klappts und Francis bleibt zu Sphagetti aglio e olio incl. Salat. Er bringt einen köstlichen Wein aus dem Juragebirge mit und nach einem Glas können wir alle alle Sprachen besser :)!
19.10.2025
Los geht es gen Huy – das kenne ich ja schon. 3 Schleusen weiter kommen wir beim ersten Port de Plaisance (den ich noch nicht kenne) an, aber der gefällt uns nicht: eng, voll und direkt nebenan eine Kirmes (zur Erinnerung: Rummel, Volksfest). Also wieder zum bereits bekannten Atomkraftwerk… Auch diese Marina recht voll – es folgt ein – wie ich finde – spektakuläres Anlegemanöver rückwärts zwischen zwei dort liegende Boote. Ziemlich stressig! Nicht elegant, aber gut gegangen. Kaum fertig, fängt es an zu regnen.
20.10.2025
Schon nachts überlegt, wie ich aus der Lücke wieder rauskomme. Andy meint, dass wir das Boot doch mit dem Bootshaken drehen könnten und dann einfach nach vorne wenden. So geht das aber leider nicht mit meinem Langkieler und ich grübele eine ganze Weile, bis ich mich entscheiden kann. Wird eng, aber hat geklappt. Es kommt die erste Schleuse – kein Problem, dann die zweite mit Wartezeit…ätzend! Wir müssen vorübergehend festmachen und das mit dem Strom und Wind… Sehr nervig! Aber ein „vor der Schleuse herumdümpeln“ ging auch nicht. Andy will das Boot mit einem Bootshaken festhalten – kaputt! Stimmung an Bord nur mäßig….Wegen der Wartezeit schaffen wir Maastricht heute nicht und entscheiden uns für Liége. Nach dem Anlegen geht Andy eine Runde spazieren, ich sitze da und erhole mich…beides funktioniert. Als er wiederkommt ist die Stimmung wieder prima und wir erforschen noch gemeinsam ein wenig die Stadt.
Suchbild mit MAWI
21.10.2025
Viel Wind! Und das Boot muss irgendwie gedreht werden. Andy will wieder per Bootshaken drehen 🙂 (dann hätten wir Seitenwind und 5,5 Tonnen Boot, die der Haken halten müsste), ich grübele wieder… Schließlich ziehen wir das Boot weiter nach hinten für mehr Raum nach vorne zum Wenden… Dauert alles, aber wir fahren schließlich mit dem Bug voran auf die Maas (hier: La Meuse). Es ist heute saukalt, Nieselregen, ungemütlich! Ich fühle mich nicht mehr sehr motiviert, aber nach Maastricht, wo ich inzwischen einen Winterplatz zugesichert bekommen habe, ist es nicht sehr weit. Zum Glück bei diesem Wetter! Nur eine Schleuse, aber die ist gräßlich. Massive Windböen, ein Seitenarm der Meuse, aus dem Frachter kommen und eine rote Ampel, also Wartezeit. Beim ersten Frachter fahre ich eine Kurve, beim zweiten in die Schleuseneinfahrt, aber immer noch Rot! Wieder Festmachen mit dem Strom und diesmal auch bei heftigem Wind. Nicht schön!!! Endlich! fahren wir in die Schleuse und erfreuen uns am Abwärts – der Wind lässt in der Kammer, und leider auch nur dort, nach! Schleusenverschaufpause – wer hätte das gedacht?
Kurz darauf erreichen wir Maastricht Marina – Platz 202 wurde mir zugewiesen, längs backbord an einem sehr wackeligen Steg voller!!! Enten- und Gänsekacke. Die Leinen werden voll, unsere Schuhe treten rein – kein herzlicher Empfang. Noch bevor wir die Leinen perfektionieren holen wir erstmal Pütz (Eimer) und Wasserschlauch und säubern den Steg. Inzwischen in Gummistiefeln, wässere ich auch direkt meine Schuhe. Und spritze die Leinen wieder sauber. Besser! Mawi liegt inzwischen prima und wir kochen- mal wieder – Nudeln mit allem, was der Kühlschrank noch so hervorzaubert Freude dass alles geklappt hat – ein bißchen „Trial and Error“, aber die Mawilernkurve steigt.
21.10.2015
Vor seiner Abreise hilft mir Andy noch das Boot zu schrubben, supernett, großes Danke! Ich belese mich über Tankfüllungen im Winter und stelle fest, dass der Tank zu 95% gefüllt sein sollte. Wir kippen die zwei noch vollen Kanister á 10 Liter rein, reicht nicht! Also mit je 2 leeren 10l Kanistern im Laufschritt zur nächsten Tankstelle (angeblich ca. 700m entfernt) und dort Diesel eingefüllt. Andy muss seinen Zug bekommen, also die Tankstellenangestellte nach einem Taxi gefragt, aber die meint, dass sei für diese kurze Strecke aussichtslos. Also bewaffnet mit je 20l Diesel zu Fuß zurück. Ich zähle Schritte: alle 100 setze ich ab, dann 80, dann 60… die angeblichen 700m werden zu 7.000!!! Ich kann sooo schwer nicht tragen und muss mir eine andere Lösung für die Zukunft ausdenken… Aber diese Überlegungen nutzen gerade nichts und ich komme irgendwie am Boot an – inzwischen bin ich mit meiner Zählung bei 40 :): Andy will zum Bus rennen , aber ich bestelle ein Auto und bringe ihn zum Bahnhof. Noch einen gemeinsamen Cappuccino und dann heißt es auch schon Abschied nehmen – und schnell noch ein Selfie am Bahnhof….
Ich gehe noch zu einem Schlüsseldienst, um noch einen Bootsschlüssel mehr zu haben, dann zurück zu Mawi – lesen, kochen, schreiben…
22.10.2025
Was für ein letzter Tag!!! Regen ohne Ende, viel Wind, es wackelt hin und her. Ich räume heute innen auf und habe schon recht schnell 6 Taschen beisammen. Wie bedauerlich, wo ich gefühlt doch erst gerade alles so schön eingerichtet habe… Stoße mich dauernd irgendwo an – besser aufpassen! Telefoniere mit Micha (Segelschule Michael Weber) und bin erleichtert, dass der Frostschutz wohl auch bis Dezember Zeit hat, denn dafür ist man/frau wohl besser zu zweit. Eine Person füllt den Frostschutz ein, die andere sagt Bescheid, wenn dieser wieder aus dem Boot herauskommt.
Abends kommt Sturm mit bis zu 80km/h Wind auf, sehr ungemütlich, Mawi zerrt an den Leinen! Ich ziehe meine Segelklamotten und Gummistiefel an, trotze dem Wetter und lege vorne und hinten je eine 2. Leine – es ruckt ordentlich. Ein Gutes hat dieses Wetter: ich freue mich auf zu Hause ! Und: Micha hat recht: die wunderbaren französischen Kanäle verdienen es in angenehmen Temperaturen erfahren zu werden, die beginnende Frühlingsnatur zu erleben und einfach Freude zu empfinden.
Mawi in Maastricht bei noch gutem Wetter nach Ankunft…
Restart ist Mitte/Ende März geplant, angeblich sind die Kanäle ab 1.4.26 wieder geöffnet.
Wer Lust, Freude und Laune hat ein Stück oder Stückchen mitzufahren gern bei mir melden, ich würde mich freuen. (schmidt.bea@googlemail.com)
Ansonsten: Fortsetzung folgt: Au Printemps 2026!
Allen Lesern, Leserinnen und allen anderen auch: einen guten Winter, wunderbare Weihnachten und den perfekten Start ins Neue Jahr!!!
Wie betäubt fahren wir die soeben genommene Schleuse noch einmal – nur diesmal bergab anstelle von bergauf….Ziel ist nun Dinant, das ist nur ca. 1 Stunde entfernt und hat eine Marina. Ich muss mich auf die Manöver konzentrieren, aber könnte schreien, fluchen, weinen, aufstampfen und schluchzen – einmal alles gleichzeitig. Aber wir reden erstmal wenig, Lösungen gibt es heute sicher keine mehr. Die Marina Dinants ist geschlossen, aber ein netter Belgier auf einem Fahrrad ruft den Hafenmeister an und er kommt extra für uns und macht eine Ausnahme: une exception. Und er schenkt uns 2 Dosen Leffé blonde guten belgischen Bieres, als er von unserer heutigen Odyssee erfährt und die trinken wir dann auch :). Immerhin liegt Mawi vor einer kleinen kümmerlichen Palme, das ist doch ein Hauch von Süden.
Wir spazieren noch 1 Stunde in den Ort – alles recht zu, aber ein Grieche hat offen… noch ein Zeichen des Südens, auch wenn diese Himmelsrichtung gerade SEHR weit weg erscheint. So langsam finden wir unsere Sprache wieder und beschließen am Folgetag spät zu starten, irgendwo in der Pampa an einem Anleger zu übernachten und morgens zu recherchieren.
15.10.2015
Am Morgen erstmal VNF (Voies navigables de France) angerufen und mögliche Strecken diskutiert. Ich könnte über die Sambre (biegt bei Namur ab) weiter, aber ob die dann anstehenden Kanäle offen sind, wenn ich da ankomme, konnte mir die sehr hilfsbereite Dame nicht sagen. Insbesondere der Canal de Champagne et Bourgogne scheint häufig ebenfalls von Wassermangel geplagt und dann müsste ich die Marne entlang. Ich will aber nicht nur Flüsse mit Frachtern fahren! Und: die Sambre ist zum Teil nur 5,15m breit und hat bis Charlesrois relativ viel Berufsverkehr. Mein Boot ist 3,25m breit – das traue ich mich nicht! Vielleicht mit Profi? Keine Ahnung, wie ich so schnell jemanden finden kann – die Info muss erstmal sacken. Prophylaktisch rufe ich zwecks Winterlager auch in Maastricht an – wahrscheinlich würde das klappen. Der nette Hafenmeister erinnerte sich glücklicherweise an mich und Mawi.
Dann los. Aus dem Plan, noch in Dinant Zentrum anzulegen, die Zitadelle zu besichtigen und Cappuccino zu trinken wird nichts, unsre Leinen sind erst um 14.30 endlich los – jetzt, wo wir unsere Sprache wiedergefunden haben, diskutieren wir alle Möglichkeiten immer wieder rauf und runter.
Einige Schleusen weiter haben wir immer noch keinen uns genehmen Pampaanleger gefunden – alle häßlich! Und es wird immer später! Noch eine Schleuse – dahinter ist ein Anleger eingezeichnet, den müssen wir nehmen, denn es ist 18.30. Diesmal egal, ob häßlich oder nicht. Und wir haben Glück! Es ist zwar nicht die Pampa, aber ein sehr netter Ortsanleger in Profondsville mit erleuchtetem Berg im Hintergrund.
Wir kochen und gehen dann noch in die „Kneipe nebenan“ – die ist nämlich von unsrem Boot aus sichtbar.
16.10.2025
Am Morgen sieht unser Platz so aus:
Und das Wetter spielt auch mit! Wir sind trotz aller für mich noch anstehenden Entscheidungen guter Dinge und gucken uns Profondsville an – klein, aber fein!
Ich erstehe 5 Briefmarken für Ansichtskarten (13 Euro!!!) und frage mehrere Menschen, wo ich denn Karten erstehen könne – gibt keine (nur im Touristenbüro gibt es 4 vergilbte Motive, die ich nicht kaufe). Die Briefmarken verschwinden folglich im Portemonnaie und wir auf dem Boot. Ich weiß immer noch nicht, was ich machen soll 🤷🏻♀️🤷🏻♀️🤷🏻♀️!
Ziel heute ist Namur, da will Birgit dann morgen abreisen und mein Freund Andy übermorgen kommen. Wir hoffen auf eine andere Marina, als beim ersten Mal – die war ja scheußlich!
Und tatsächlich: kurz vor Namur (nur 1 Schleuse :)) fahren wir am Port de Plaisance d´Amée Jambes vorbei und der „Mann mit der Katze“ winkt uns zu. Was für ein Glück! Wir drehen und legen backbord (also mit der linken Seite des Schiffes) gegen den Strom an. Nicht meine Schokoladenseite, aber klappt. Und Jean Christoph (der Katzenmann) hilft erneut mit den Leinen. Viel netter und nur 10 Bushaltestellen nach Namur Zentrum. Auch diese Marina ist bereits geschlossen, aber es sind mit uns noch 4 Boote da: aussi une exception! Und: diesmal vernünftige sanitäre Einrichtungen mit heißer Dusche! Leider Birgits letzter Abend…und ich weiß immer noch nicht 🤷🏻♀️🤷🏻♀️🤷🏻♀️…Jean Christoph gibt mir noch einen Link für Navigation in Belgien (periskal), kriege ich aber nicht auf.
16.10.2015
6.00 Wecker, Kaffe mit Birgit und diese verabschiedet. Nochmal in die Koje, aber nach dem Kaffee zu wach, um nochmal zu schlafen. Also wieder aufgestanden. nach Dusche und weiterem Kaffee ein bißchen „Hausarbeit“, dann kommt wieder Jean Christoph vorbeigeschlendert und bekommt den Link bei mir auch nicht auf. Er meint mein Bootsnachbar kenne sich aus und macht uns bekannt. Also lande ich bei Francis, einem sehr netten Belgier und trainiere mein französisch. Er beteuert, dass ab November fast alle Kanäle in Frankreich geschlossen sind und entwirft mögliche Strecken, mh……Ich nehme diese Infos mit und sitze den ganzen Tag und einen Teil der Nacht vor meinem Laptop bis so langsam die Einsicht reift:“Wird nichts!“ Brauche das Winterlager in Maastricht und fahre nach Hause – wer weiß, wofür das gut ist. Seit ich ein Boot besitze, wird alles immer anders, als geplant – meine diesbezügliche Lernkurve hat noch Luft nach oben.
Es gab Fragen, wie es innen aussieht – sehr gemütlich, wie ich finde! Inclusive Heizung, exklusive Spülmaschine, inclusive Badezimmer, exklusive Waschmaschine – Dinge, die sonst selbstverständlich für uns sind, sind plötzlich ganz großartig – dazu gehört auch eine warme Dusche :). Und es ist ganz fein, diese Selbstverständlichkeiten des Alltags mal wieder bewußt zu erleben..
Ich freue mich riesig, dass Birgit da ist und wir planen begeistert die kommende Woche. Wie weit wir wohl kommen werden? Plan ist es Frankreich zu erreichen und hinter Givet den ersten Wassertunnel zu durchqueren. Das findet Birgit sehr spannend, ich mag lieber Platz um mich herum und sehe der Tunnelfahrt nicht sehr fröhlich entgegen. Aber erstmal müssen wir ja ablegen :).
10.10.25
Das tun wir dann auch ganz gemütlich um 11.00, als die Sonne etwas scheint. Unser Ziel ist nicht weit, aber immerhin Belgien – ein Länderwechsel! 2 Schleusen weiter erreichen wir nach 3 Stunden Liège – die Stadt wollten wir unbedingt auch zu Fuß erkunden. Nach dem Anlegen in einem recht engen Hafen (wie soll ich hier bloß wieder heraus kommen?) bummeln wir los und landen als erstes auf einer Kirmes (rheinisches Wort für: Rummel, Volksfest),
fahren eine Runde Riesenrad und bummeln durch die wirklich sehenswerte Altstadt, bewundern belgische Leckereien und trinken ein Bier in der Gotic Bar…
danach gehts zurück zu Mawi, die im Dunkeln eigentlich recht idyllisch da liegt :)!Treffen sogar noch 2 Herren, die auch zum Mittelmeer wollen…allerdings gehen sie in Richtung der Bars, als wir zurückkommen…
11.10.2025
Nach einigen Überlegungen Huy zum nächsten Ziel erkoren. Das ist nicht so weit und soll sehr nett sein. Die Alternative Namur ist weit – da hätten wir für Besichtigungen keine Zeit mehr und hätten dann weder Huy noch Namur angeschaut. Also am frühen Morgen Zeit für ein paar Kontrollen: Öl und Kühlwasser, Seewasserfilter. ..Letzteren gereinigt, aus dem im Filter stehenden Wasser auch noch einiges abgeschöpft wegen darin schwimmender Dreckpartikel. Recht zufrieden mit uns dann los und perfektes Drehmanöver in dem engen Hafen…noch zufriedener. Dieser Zustand hielt dann leider nicht lange an…weißer Dampf aus dem Auspuff, kaum Wasser aus dem Kühlkreislauf hinten sichtbar austretend, Motordeckel aufgemacht: kaum Wasser im Seewasserfilter, der kleine verbliebene Rest sieht aus, als ob es kocht. Und das bei einem neuen Motor!!!! Wir drosseln, fahren ganz!!!!! langsam und suchen eine Stelle zum Anlegen. Gar nicht so einfach! Der erste Versuch scheitert an gerade noch gesehenen Steinen auf dem Grund, etwas später machen wir an einer nicht sehr attraktiven Kanalbetonwand fest. Motor aus und warten – also erstmal Kaffee. Sah bestimmt aus, als machten wir an der Wand ein kleines Kaffeepäuschen, aber der Motor musste ja erstmal abkühlen und ein paar Kekse sind ja gut für die Nerven. Micha Weber (Segelschule) in Berlin eine Nachricht geschrieben (er meinte später, dass ich ihn in solch einer Situation auch immer anrufen könnte, danke!), die er nicht hörte, weil er segeln war… Also Mrs. Google und KI befragt, mein Skipperringbuch zur Hand genommen und als erstes mehr Wasser in den Seefilter geschüttet. Erstaunlich – es sank immer sofort. Nach etwa 20 Gläsern kam mir das laienhaft komisch vor (eigentlich habe ich von Motoren leider viel zu wenig Ahnung und den Inhalt eines vor Jahren gemachten Motorreparaturkurses hat mein Gehirn schon damals sehr schnell gelöscht), Ventil geschlossen, Wasser bis oben, Deckel drauf, Ventil wieder auf….optisch ein gelungenes Manöver!
dann noch Motoröl nachgefüllt – wenn schon, denn schon… Und wieder los, wir sind sehr (an)gespannt! Tatsächlich, alles geht wieder, nur unsere Huy Besichtigungspläne sind auf der Strecke geblieben und wir müssen uns stattdessen beeilen nicht vor Einbruch der Dunkelheit in Huy anzukommen. Auch das schaffen wir und legen sehr idyllisch mit Blick auf ein Atomkraftwerk an.
Wir sind nach den vielen Schaffensperioden sehr geschafft und machen nichts mehr. Statt den Herd anzuschmeißen gibt es Nüsse und Salzbrezeln…
12.1025
Pause!!! Dusche, Spaziergang nach Huy, Besichtigung der Cathédrale de Notre Dame de Huy incl. gerade stattfindendem Gottesdienst – sehr beeindruckend!
Per Gondel auf den Mont Asand:
und zu Fuß zurück zum Boot. Sonne!
Dort Diesel aufgefüllt und mit leeren Kanistern zur Tankstelle – viel zu weit! Ein supernetter Taxifahrer fährt uns hin, hilft beim Füllen und fährt uns dann wieder zurück! Perfekt , und alles für 15 Euro – das war das Nichttragen der Kanister wirklich wert!! Wäsche in der endlich frei gewordenen Marinawaschmaschine gewaschen und abends im noch geöffneten Hafenrestaurant köstlichste belgische Küche genossen und das zu einem erstaunlich erschwinglichen Preis :). Mh!
13.10.2025
9.00 Leinen umgelegt, wir haben wenig Platz zum Ablegen so eng zwischen 2 Booten. „Eingedampft in die Vorspring“ – vorher nochmal nachgelesen, wie das geht – alles bestens. Entspannt heute durch die herbstliche Natur – Farben leuchtend à la Indian Summer. Wunderschön! 1. Schleuse mit direkt grünem Einfahrtslicht – auch wunderbar! 2. Schleuse mit Wartezeit , dann endlich auch grün. Birgit hantiert mit den Fendern, ich steuere, höre per Funk:“Maintenant non“…(jetzt nicht), schaue mich um und ein riesiges Frachtschiff rast auf den Schleuseneingang zu – unser Kurs. Ich schreie „Birgit“, aber sie hört es erstmal nicht. Ich schreie nochmal und habe das Ruder schon wieder Richtung Anlegewand gelegt. „Wir legen da nochmal an!“ – Birgit ändert alle Fender ein 2.Mal, der Frachter fährt recht knapp an uns vorbei, aber eben vorbei!!! Wir warten noch eine Schleusung ab , müssen uns von dem Schreck erstmal erholen. Wahrscheinlich reichte mein Schulfranzösich nicht, um die Schleusenwärterin korrekt zu verstehen,. Beim nächsten Mal kommuniziert ein Mann auf englisch mit uns – den hat sie nach auch ihrem Schreck bestimmt gebeten, einzuspringen. Klappt dann auch gut!
In Namur Stadt gibt es die Marina Port les Jambes mit Anlegestegen quer zur Meuse. Leider recht windig und erster Versuch verweht. Am Ufer steht ein Mann mit einer Katze auf der Schulter und ca. 101 Piercings – sieht nicht so aus, als ob wir ihn um Hilfe bitten könnten. Aber: man/frau sollten eben nicht nach dem Äußeren gehen. Auch ohne zu fragen hilft er supernett, stellt sich dann als „The Man with the Cat“ vor – Hafenmeister einer Marina ein Stück flussaufwärts hinter der nächsten Schleuse. Er zeigt uns die Sanitäranlagen (mit Abstand die ekligsten und versifftesten dieser Reise, brrrr) und meint, dass er uns am nächsten Morgen auf unserer Weiterfahrt zuwinken würde. Einkaufen, kochen, schreiben, früh zu Bett, denn morgen ist ein langer Tag geplant.
14.10.2015
7.00 Aufstehen, denn wir wollen heute die französische Gastflagge hissen können. Ein wunderschöner Tag mit Fahrt durch die herbstlichen Ardennen, vorbei an schicken alten Villen und kleinen Dörfern – Ziel ist Givet, falls es mit den Schleusen (9 an der Zahl) gut klappt.
Wir fahren eine Schleuse nach der anderen – alle sind sofort passierbar und wir finden es großartig! Statt wie geplant gegen 18.00 anzukommen, wird es der Nachmittag werden. Wir sind begeistert – noch!
Nach der 8. Schleuse kommt im Oberwasser der Schleusenwärter zu uns und fragt, wo wir hinwollen. Wir sagen „Marseille“. Daraufhin meint er, dass am Vortag die weiterführenden Kanäle alle geschlossen worden wären und wir nicht weiterkämen. SCHOCK! Es kommt mir vor, als habe ich einen Hammer auf den Kopf bekommen – die Strecke habe ich ewig vorbereitet und zuletzt in Maastricht nach Sperrungen geschaut, da waren in der französischen VNF Navigations App KEINE!!! Der Schleusenwärter meint, dass auch er von den Schließungen erst seit einem Tag wisse. Wahrscheinlich auch nur deshalb, weil er ein Boot besitze, die Kommunikation zwischen Belgien und Frankreich sei schlecht🤮 😢- nützt mir leider so gar nichts! Ich bin erstmal wie betäubt…und leer und enttäuscht und traurig und wütend und planlos🤷🏻♀️… Frankreich Sackgasse! 😢😢😢
Auch mal schön – kein Wind, keine Welle, warten auf Birgit und allerlei Besuche. Den ersten Morgen, montags, mache ich nichts 🙂 und erhole mich von den rheinischen Strapazen. Am Nachmittag gehts dann per Zug etwas umständlich (erster Zug ausgefallen) nach Aachen, wo mich Doris (meine längste beste Freundin) am Bahnhof erwartet. Wir gehen köstlich speisen und verbringen dann einen Freundinnenabend, bzw. eine Freundinnennacht wie vor 30 Jahren – heißt: wir quatschen bis 4.00 morgens – wunderbar! Nur am nächsten Morgen merken wir leider, dass auch an uns die Zeit nicht spurlos vorüber gezogen ist. Aber das bißchen Müdigkeit war der Abend allemal wert. Ich lasse mich noch bei einem von Doris Ärztefreunden schnell Grippe impfen und nach einem Supermarktbesuch bringt mich Doris zurück zu Mawi. Leider haben wir ein Selfie vergessen…
Am nächsten Tag, mittwochs, wieder zum Bahnhof (1h entfernt von der Marina, netter Spaziergang, den ich nun schon gut kenne) und zunächst nach Düsseldorf, wo ich meine alte Wohnstraße besuche.
Wieder der Rhein, aber diesmal vom Zug aus – deutlich entspannter…
Anschließend per Bus nach Haan und meine noch sehr fitte 88jährige Tante besucht – die hat sich wirklich sehr gefreut! Kuchen satt! Mein Cousin bringt mich am frühen Abend zum Bahnhof und ich habe trotz des Staus Glück: der Zug hat – kaum anders zu erwarten – Verspätung, deshalb kriege ich ihn noch. Der Anschluss- in Herzogenrath ist auch zu spät – den bekomme ich also auch noch, manchmal sind Verspätungen nicht soooo schlecht! Ich unterhalte mich mit einer netten Inderin, die aufgrund ihrer Arbeit nach Holland gezogen ist – spannend!
Heute ist schon Donnerstag und abends kommt Birgit – wie schön! Beschließe einen kleinen Putztag einzulegen und putze als erstes alle Fenster – ist eigentlich wie zu Hause. Die allerletzten Reste des Avocadodisasters (hier hängt ein Netz mit Obst und Gemüse, leider ist vor einigen Tagen darin eine Avocado zermatscht und hat ihre Creme während des Schaukelns auf dem Rhein überall – wirklich überall – verteilt). Noch ein bißchen Waschen und einkaufen, dann werde ich das wohl letzte Mal gen Bahnhof wandern – den habe ich hier täglich gesehen.
Zwischenzeitlich war ich nicht etwa mal länger zu Hause, sondern auf dem 60. Geburtstag meines Freundes Detlev, der beschlossen hatte, in der Nähe seiner Geburtsstadt Sibiu (ehemals Hermannstadt) in Transsylvanien zu feiern. Also die Party (über 3 Tage: Angrillen – Grillen – Abgrillen :)) zum Anlass genommen, wenigstens ein bißchen von Rumänien anzuschauen.
Ein überraschend spannendes Reiseland – hatte ich völlig unterschätzt! Start in Bukarest, per Mietauto ins Donaudelta (großartig!), natürlich eine Bootsfahrt gemacht :), am Strand von Konstanza am Schwarzen Meer spaziert, die größte gotische Kathedrale Südosteuropas Schwarze Kirche, ist aber grau) in Brasov (ehemals Kronstadt) besichtigt, die Karpaten bis auf 2000 m Höhe gefahren, dann Ankunft in Sibiu.
Keine Bären gesehen, auch keine Vampire...Beides ungewöhnlich!
Ein beeindruckendes, in Siebenbürgen spielendes Buch gelesen: „Lichtungen“ von Iris Wolff. Und eine wunderbare Party gefeiert – Tag 2 und 3 auf dem Gelände einer bei Sibiu befindlichen Kirchenburg (Kirche umgeben von Burgmauern und Verteidigungsschächten aus Angst vor den Tataren im Mittelalter), der Biserica Fortificata „Stantul Servatio.“ Die Siebenbürgen Sachsen wurden um 1200 in Transsylvanien angesiedelt. Sie folgten dem Ruf eines ungarischen Königs, der das Gebiet neu erobert hatte und es nun sichern und entwickeln wollte. Für ihre Ansiedlung erhielten die Menschen, die häufig aus dem Rheinland oder Moselgebiet kamen, viele Freiheiten bzgl. Religion, autonomer Verwaltung und Land.
Einige Eindrücke:
von Ceausescu erbauter Präsidentenpalast – 2. größtes Gebäude der Welt – die Fertigstellung hat er nicht mehr erlebt (1989 rumänische Revolution, Ceausescu und Gattin wurden erschossen).
Pelikane im Donaudelta
die Zeit scheint stehen geblieben….
und natürlich: der Jubilar (DLX – Detlef 60)
.
Und weiter gehts….
3 Wochen ist es nun her, dass ich Mawi verlassen habe und jetzt sitze ich gerade im Zug und denke über die nächsten Tage nach. Morgen Boot wieder einrichten, Seeventile auf, Strom, Wasser… Übermorgen – am Tag der deutschen Einheit – gehts dann los, noch 2 Tage Rhein sind zu bewältigen. Gut, dass Bodo diese begleitet, er hat die besseren Nerven zwischen all den Frachtern zu kutschieren. Und das ganze räderlose Gepäck muss erstmal die Bahnfahrt überstehen…ich demnach auch!
Aber alles gut nach Neuss transportiert und von meiner Schwester Anja abgeholt worden – wie wunderbar! Am nächsten Tag Gerödel : Putzen, Einkaufen mit Anjas und deren Autos Hilfe, Sortieren, Motor ausprobieren, Überlegungen, wie ich aus dieser ultrakleinen Lücke im Hafen, die sich mein Liegeplatz nennt, rauskommen soll. Aber was für ein Glück!!! Markus, der Hafenmeister, kommt vorbei und ruft 3 Männer (zwei davon ca. Mitte 50, Egon, mein Bootsnachbar, 88 Jahre alt) mit den Worten: „Jungs, sollen wir der Bea nicht mal schnell das Boot drehen?“ Innerhalb von gefühlt 3 Minuten lag Mawi anders herum und ich war froh.
Nächstes Ziel: die Niederlande
Um es vorweg zu nehmen: diesmal ist ALLES heile geblieben!!! Wir auch! Keine Macken im Schiff, keine Stürze ins Wasser, keine Seeschlangen… Abenteuerlich war es trotzdem!
3.10.2025
Wie schön! Anja und ihr Freund Michael fahren einen Tag mit und haben sich reichlich mit warmen Klamotten ausgestattet, denn es ist kalt 🥶!
Wieder ist es Oktober und eigentlich bin ich doch eine ausgeprägte Sommersonnenliebhaberin! Gegen 9 Uhr legen wir ab, passieren nach einiger Wartezeit (zuviel Frachter auf dem Kartenplotter sichtbar) die schmale Ausfahrt des Neusser Sporthafens und biegen links ab. Das erste Mal auf dem Rhein mit der Strömung! Wow!
Wir düsen, düsen, düsen, düsen im Sausewind…. 9 Knoten, so schnell waren wir noch nie! Und wir haben Glück: nach etwas Nieselregen kommt vereinzelt die Sonne heraus. Und es kommen zwar reichlich Frachter von vorne, aber so gut wie gar keine von hinten – vielleicht weges des Feiertags? Auf jeden Fall viel angenehmer – ich bin auf dem Rhein trotzdem recht unentspannt und freue mich, dass Bodo deutlich relaxter als ich steuert. Zunächst geht es zurück – erneut Düsseldorf und Duisburg mit all den Industrieanlagen, erst dann kommt für uns unbekanntes Terrain.
In Wesel sind wir schon am frühen Nachmittag und wir beschließen weiter nach Emmerich zu fahren. Dort kommen wir gegen 17.00 an und sind von Rheinkilometer 736 – 854 gefahren! Toll! Anja und Michael helfen noch beim Festmachen und machen sich dann auf zum Bahnhof, um wieder nach Hause zu fahren.
Bodo und ich laufen bei Nieselregen eine knappe Stunde in die Emmericher Innenstadt und essen in einem griechischen Lokal – ich die schlechteste Moussaka aller Zeiten ↓!
4.10.2025 Der letzte Tag auf dem Rhein – aber auch der schlimmste !!!
Es fängt schon nicht gut an, wir legen in strömendem Regen (cats and dogs, Bindfäden, wie aus Eimern, oder wie man in den Niederlanden sagt: Taschenmesser , alles in allem heftigst) ab. Sicht miserabel, alles grau in grau – ich sehe nichts, Bodo steuert . Wohl ein Sturm in anderen Teilen Deutschlands (sogar Bäume sollen entwurzelt sein), wir bekommen 6 Beaufort ab, Böen stärker. Viel mehr Frachter, als am Vortag, aber immerhin fahren jetzt alle rechts und kreuzen nicht wie bei Duisburg und Düsseldorf immer in die Außenkurve. Aber auch Frachter von hinten! Und Welle, wie auf dem Meer! Eine schlägt übers Boot bis zur Sprayhood. Wahnsinn! Vorteil: die Scheiben sind wieder sauberer und die Regentropfen weg. Das hält aber nur wenige Minuten, dann ist alles wieder zugeregnet und die Scheibenwischer sind so miserabel, wie das Wetter. Wollte eigentlich neue bestellen, hatte ich aber vergessen. Rächt sich gerade! Alles so streßig, dass es kein einziges Bild gibt.
Endlich kommt Nijmegen und die „lustige“ Rheinfahrt hat ein Ende! Ich jubel und gelobe nie wieder auf dem Rhein zu fahren – mal sehen, was daraus werden wird! Die Niederlande begrüßen uns freundlich, der Regen lässt nach und ab und zu wagt sich ein bißchen Sonne hervor.
Wir beschliessen nicht – wie ursprünglich geplant – in Nijmegen zu bleiben, sondern das bessere Wetter noch ein wenig zu nutzen. Nach einer Schleuse kommt der 13km lange Vaal-Maas Kanal, nach einer weiteren Schleuse sind wir auf der Maas. Nach einigen Berechnungen: Geschwindigkeit stromaufwärts – Uhrzeit – wieviel km/h machen wir bei ca. 5,8 Knoten …ist klar: wir schaffen es bis Venlo und werden dort kurz vor Einbruch der Dunkelheit, also noch im Dämmerlicht ankommen. Keine Pufferzeit – sehr schlecht! So sollten weder Mann noch Frau planen und wir sollten das eigentlich wissen! Aber ich würde soooo gern bis Maastricht kommen und Bodo hat nur 3 Tage Zeit! Zunächst auch auf der Maas eine ordentliche Welle..
…dann eine nette Strecke mit idyllischem Nachmittagslicht…
Aber es wird später und später und wir sind noch nicht da! Die geplante Anlegedämmerung verstreicht, es wird dunkel und Bodo muss steuern – ich sehe im Dunkeln nix.
Leichter Nieselregen bis zur endlich erreichten Hafeneinfahrt und dann : eine Gewitterzelle! Peitschender Regen, Welle im Hafen, mit Scheinwerfer versucht, was zu sehen: Nichts! Gischt im Hafenbecken, welches zum Glück groß genug ist, um Kreise zu ziehen. Es ist grauenhaft und das einzige, was ich denken kann ist, dass ich – inzwischen wieder am Steuer – Mawi erneut irgendwo gegen ramme. Wir kreisen! In die eine Richtung (mit dem Wind) ist es recht ok, aber schnell, in die andere (gegen den Wind) absolut ekelhaft. Bodo leuchtet recht verzweifelt die Stege ab, er hat seine Kontaktlinsen drin, das geht etwas besser, als bei mir mit Brille – die war sofort aufgrund der Gewitterregentropfen nutzlos. Bodo findet tatsächlich die uns vom Hafenmeister genannte Stelle – am 3. Lämpchen, sagt er, mehr sehe ich sowieso nicht. Ich halte darauf zu und erkenne kurz vorher tatsächlich, wo ich hin soll. Anleger wunderbar – ich bin erleichtert, wir beide erschöpft.
Keine Muße mehr zu kochen – raus aus den sehr nassen Klamotten und auf zum Hafenrestaurant. Beeilung ist angesagt, denn laut Internet schließt die Küche um 21.00 .
Nicht so heute – seit 1.10. gibt es warmes Essen nur noch bis 19.00. Immerhin gibts Nüsse. Beim Rauchen radebreche ich mit der Küchenchefin auf holländisch – habe ja mal ein halbes Jahr auf Texel gewohnt und damals versucht, die Sprache zu lernen. Die Chefin ist von meinen Versuchen so begeistert, dass sie Käsebrötchen schmiert – immerhin! Wir sagen:“ Dank u wel!“
5.10.2015
Heute soll es anders werden! Bodo ist so nett und kommt mit bis Maastricht, denn da kann ich in der Pause, die folgen wird bis Birgit kommt, etwas anfangen. Meine andere beste Freundin Doris wohnt ganz in der Nähe in Aachen, ich kann mit dem Zug mal nach Düsseldorf und meine 88-jährige Tante in Haan besuchen und ich mag Maastricht. War ich doch damals als Studentin an der Aachener Uni öfters dort. Zum einen, um Käse, Zigaretten und andere zum Überleben wichtige Güter preiswert einzukaufen, zum anderen für Treffen im „Kneipje“ mit für Studierende bezahlbarem Essen. Am besten war die mit Käse überbackene Zwiebelsuppe (à la Francaise), aber sogar Schnecken in Knoblauchsauce konnte man/frau probieren (mein erstes und bis heute letztes Mal, aber wer weiß?).
Also gegoogelt, es gibt einen Zug nach Berlin um 18.52 (Bodo muss montags früh in Berlin sein) und das schaffen wir bestimmt – wollen ja nicht im Dunkeln ankommen :)!
Um Punkt 9.00 an der Tankstelle angelegt, erstaunlicherweise nur 45l getankt (das entspricht einem Verbrauch von 1,5l/h) – hätten wir also lassen können. Wir dachten die Tanknadel ist kaputt, hatte sie sich doch kaum bewegt. Ist sie aber nicht!
Dann durch entspannte grüne Landschaft mit vielen Schafen und Kühen.
Später monoton und kanalähnlich – mehrfach die Route überprüft – haben wir uns verfahren?
Insgesamt 4 Schleusen – ich bedanke mich immer auf niederländisch. Die in Maastricht ausgesuchte Innenstadtmarina (t´Bassin) hat bei geplanter Ankunftszeit schon zu (zum Glück, wie sich später herausstellt), also in Maastricht Marina angerufen und reserviert – Platz 604. Leider wird es schon wieder immer später! Nein, im Dunkeln wollen wir NIE wieder ankommen! Aber ein Zug um 18.52? Unrealistisch! Sehr nervig! Irgendwie hatten wir die Schleusen unterschätzt! Wir schaffen es zwar diesmal in der Dämmerung (zu beachten: leichte Verbesserung), aber Bodo schafft seinen Zug nicht und bucht eine Nachtfahrt. Oh je!
Ich verbringe den Abend auf Mawi, teste die Heizung, bin froh in Maastricht zu sein und kann nur „Danke, Bodo!“ sagen. Früh ins Bett und erstmal ausschlafen .
Bald geht es wieder los! Da habe ich mir doch tatsächlich in einer Spontanaktion im letzten August (24) ein Boot gekauft: einen Hallberg Rassy 94 Kutter, 9,40m lang und lediglich 1,15m Tiefgang. Also ideal, um über Flüsse und Kanäle gen Süden zu tuckern. Nur 185 HR 94 wurden gebaut und alle diese Exemplare sind sehr alt! Also erstmal: Boot fit machen….
Anbei die Neuerwerbung…
und die geplante Route….
Aber zum Start:
…mussten wir (meine Freundin Birgit und mein Freund Bodo begleiteten mich) das Boot von Warnemünde/Hohe Düne, wo ich es erworben hatte, erstmal nach Greifswald zum Bootsservice bringen. Und das Anfang/Mitte Oktober, also nicht gerade in der Schönwettersaison. Diese 3 Tage waren so abenteuerlich, dass ich einen kleinen Reisebericht verfasst habe 🙂 :
Ein neues (altes) Boot
Ich habe ein Boot gekauft, ich habe es tatsächlich getan! Nach etlichen Überlegungen war es dann eine höchstspontane Entscheidung. Gesehen, gekauft und ein folgender Depri: was habe ich da nur angestellt? Mitte August, überhaupt keine Zeit, und jetzt das ganze Schiff an der Backe. Oh weh!
Nach innerer Eigenberuhigung – schließlich kann man Boote ja auch wieder verkaufen – und endlosen Vormittagen gefüllt mit Telefonaten, um eine Werft (altes Boot!) und ein Winterlager zu finden wurde ich endlich fündig: Greifswald! Empfehlung meines früheren Segellehrers Micha Weber.
Aber da musste der kleine HR Kutter ja auch erstmal hin! Im Oktober!
Meine Freundin Birgit, gerade frisch im Unruhezustand und mein viel arbeitender Freund Bodo sagten zu, allerdings möglicher Start frühestens am 9.10., letzter Auskrantermin am 16.10. – für einen dreitägigen Überführungstörn im Herbst auf der Ostsee wahrhaftig kein großes Zeitfenster.
Der erste Plan, direkt am 9.10. zu starten, musste kurzfristig verworfen werden: zu viel Wind! Besseres Wetter war für das folgende Wochenende zu erwarten, also Start für Freitag, den 11.10 geplant, Anreise Hohe Düne donnerstags.
Birgit kam, wie geplant per Zug aus München und wir fuhren mit meinem kleinen vollbepackten Fiat 500 direkt weiter nach Hohe Düne. Dort: vor allem Wind!!! Die Ausläufer des Hurricane Kirk trafen nun Deutschland und es pfiff uns nur so um die Ohren!
Starten einen Tag später? Hoffentlich klappt das dann – bisher waren die Wettervorhersagen immer plötzlich überraschend! Also Bodo gesagt, dass er entspannt am nächsten Tag kommen könne (anstatt donnerstags abends), strömenden Regen einmal abbekommen, einmal bei heißer Suppe abgewartet, Auto ausgeladen und bei stürmischstem Gegenwind die Handwägelchen, beladen mit Proviant, funkelnagelneuen Rettungswesten, allen warmen Sachen, die wir in unseren Kleiderschränken finden konnten, und auf – 20 Grad getesteten Schlafsäcken zum Boot gezogen. Alles draufgewuchtet – zum Glück nichts weggeweht!
Abends kein Essen in der Hafenklause – Fährbetrieb von Hohe Düne nach Warnemünde wegen Sturms eingestellt! Was für ein Beginn!
Am nächsten Tag strahlende Sonne!
Nur die hohen Wellen verraten noch den Vortag… Kleiner Spaziergang zum Strand, leckeres Fischbrötchen und Bodo am Bahnhof abgeholt. Nach einem Kaffee zurück zum Boot und Zeit, dieses besser kennenzulernen. Läuft der Motor? Welche Schot für welches Segel? Rettungswesten eingestellt und mit Life Belts versehen, funktioniert der Kartenplotter? Wie wirdwas ein-und ausgeschaltet? … Abends viele Nudeln bei Mama Mia, wir erwarten Kälte!
Samstag 12.10.24
5.30 Wecker (igitt), schichtweise alle warmen Klamotten angezogen (Skihose über Thermounterwäsche, darüber Segelhose…), 7.00 Leien los! Das Ablegemanöver besser als erwartet. Wir fahren gen Osten, der Wind kommt aus Nordwest – das ist gut! Nach ca. 1,5 Stunden setzen wir – nach unseren Frühstücksbroten – die Fock als Unterstützung, klappt prima und wir gewinnen 0,8 bis 1 kn.
Ich bin dafür Segel zu setzten, Birgit will noch um eine Landecke, Bodo ist skeptisch. Dann dampft der Motor- dicke (zum Glück) weiße Wolken kommen aus dem Auspuff! Mh! Wir setzen also doch sofort die Segel – wie gut, dass wir uns am Vortag alles ausführlich angeschaut hatten. Motor aus und bei 5 – 6 Bft. gen Ziel. Wunderbar – das kleine Bott macht das prima und wir fühlen uns sicher.
Birgit steuert meist und kaut auf ihrem Superpepp gegen Übelkeit herum. Die allzeit bereit neben ihr stehende Pütz braucht sie zum Glück nicht.
Gegen 12.00 wollen wir Plastiknudelfertiggerichte mit heißem (yippie) Wasser auffüllen, aber der Strom geht weder unter Segeln noch unter Motor. Schade! ich brauche eindeutig einen Inverter! Also Schokolade, Käsebrot, Kekse und Nüsse. Geht auch!
Der Tag hat wirklich für dieses Boot perfektes Segelwetter und erst kurz vor dem Tonnenstrich, der uns um die Insel Bock und zur betonnten Einfahrt nach Barhöft bringen soll, holen wir wieder ein. Leider dampft der Motor immer noch! Einspritzdüse verstopft? Zylinderkopfdichtung leck? Wir wissen es nicht…, aber er läuft und zumindest stimmt die Akustik! Gegen 17.00 nur noch eine Seemeile bis zu unserem Zielhafen, juchhuh! Wir freuen uns sehr auf eine heiße Dusche und ein leckeres warmes Essen!
Da macht es rums! Eine Sandbank und wir sitzen fest! Die freudige Stimmung sinkt merklich! Der arme Motor! Vollgas vor und zurück, immer wieder. Aber: keine Chance und es wird bald dunkel! Ich rufe den Hafenmeister an. Der meint die Seenotretter sind zuständig: 124 124, also wähle ich diese Nummer. Ein wirklich netter Mensch meldet sich und versichert als erstes, dass die Sandbänke tückisch sind und sie jeden Tag Boote rausziehen. Also sind wir nicht die einzigen Pechvögel. Die Hertha Jeep ist innerhalb der nächsten halben Stunde da, ich fülle mehrere Papiere aus und wir bekommen sogar noch das Jahrbuch der Organisation geschenkt!
Dann werden uns 2 Leinen zugeworfen, die wir an Bug und Heck befestigen. Der Seenotkreuzer zieht und wir sind rasch frei. Leinen los und: peng! Wieder auf der Sandbank. Noch habe ich das eher träge Verhalten des Boots nicht verinnerlicht. Also nochmal!
Sonntag, 13.10.24
Weg ist die Sonne, wie schade! Stattdessen 7 Bft. Und strömender Regen! Nach dem Verschieben der eigentlich wohlverdienten Dusche auf City Marina Stralsund (wahrscheinlich schicker und beheizt) Lagebesprechung beim Frühstück! Heute wollen wir nur bis Stralsund, fdir Strecke ist fast ausschließlich betonnt, also Motor. Aber der dampft! Und wenn er aufgibt, haben wir keine Chance mehr zu steuern. Zuviel Risiko! Folglich gehen wir zum Hafenmeister und fragen ihn nach einem Menschen, der den Motor checkt. Vielleicht auch privat, schließlich ist Sonntag. Der lacht über uns und meint, mit etwas Glück würden wir am Montag jemanden finden. Ich bin frustriert! Irgendwie merkt er das und schlägt uns beim Rausgehen vor, die Seenotretter zu fragen. Die kennen uns ja schon! Und wir sie auch! Wir gehen zu deren Boot und bedanken uns nochmals herzlich für die gestrige Rettungsaktion. Dabei erfahren wir, dass uns Stralsunder, die zu einer Übung da waren, von der Sandbank gezogen haben. Wie gut für sie – sie konnten direkt zweimal üben !!
Der nette Mensch, mit dem wir sprechen, will dem Maschinisten Bescheid geben und der kommt dann auch ca. 15. Minuten später zu unserem Boot. Supernett checkt er alles und befindet, dass der Motor zwar nicht ganz rund läuft, aber es sicher bis Greifswald schafft. Wie gut!
Wir fahren zur Tankstelle, legen längs an (klappt!) , tanken für 224 Euro Biodiesel (setzt sich im Winter nicht ab, ist aber eigentlich wegen der Gefahr einer Dieselpest schlecht – das habe ich aber erst viel später gelernt) und lassen uns von einem herbeigeschlenderten Seenotretter – wir sind ja inzwischen bekannt wie die bunten Hühner – bzgl. des Ablegemanövers beraten. Es wissen inzwischen auch alle, dass wir das erste Mal auf diesem Boot sind, und sind superhilfsbereit. Das Ablegen klappt perfekt: Radeffekt der Schraube, etwas Bugstrahlruder und Eindampfen in die Spring…wunderbar! Viel Regen – wie gut, dass wir unser halbes Häuschen haben! Dazu weiterhin 6 -7 Bft. Und viel Welle! Birgit kaut wieder Dimentiden gefülltes SuperPepp und steuert. Sicht miserabel, aber trotz all des Hin- und Herwankens tanzt das Boot über die Wellen.
Außer uns natürlich niemand unterwegs, wer will denn schon bei einem solchen Wetter auf dem Meer herumtuckern? Irgendwann sehen wir die Kirchtürme von Stralsund, aber die versinken sofort wieder im Nebel. Also ein Herantasten von Boje zu Boje gegen den Wind. Birgit fährt nach Plotter, Bodo studiert pausenlos die Seekarte und ich versuche die Tonnen zu spotten. Kurz vor Stralsund wird die Sicht etwas besser. Wir folgen der Wegbeschreibung, fahren brav noch die vorgeschlagenen Kurven und laufen gegen 14.00 in der City Marina Stralsund ein. Viel besser manövrierbar! Wir fahren etwas hin und her und entscheiden uns schließlich für einen Platz. Erstes Anlegemanöver aus meiner Sicht nicht schlecht, aber am Bug wohl fast ein Chaos. Also ein 2. Mal – wieder ein Steg an der Backbordseite. Beim 2. Versuch klappt es, 2 Menschen helfen uns mit den Leinen. Wie wir erfahren, sind wir am Vereinssteg gelandet, aber auch dort sind Gastboote willkommen – man freut sich über zusätzliche Einkünfte.
Der Hafenmeister ist nur 2x/Tag für eine halbe Stunde da, also Dusche erneut verschoben auf abends.
In Jeans, Regenjacke und mit Schirm Stralsunds Altstadt besichtigt incl. St. Jacobi Kirche, die als Kulturzentrum genutzt wird. Gefällt uns!
Während eines Cappuccinos in einem kleinen Café berichtet Birgit, dass sie sich auf meine Anfrage hin über Namen für das Boot Gedanken gemacht habe. Sie schlägt Mawi vor – finde ich großartig! Passt viel besser als das gewaltige Libertá, was ich erwogen hatte…´. Wir googeln Mawi und ich bin begeistert: im hebräischen ein Gottesgeschenk, in Swahili eine Inspiration oder ein Wunder, im chinesischen ist es die Schönheit… Und: der beste Freund der Biene Maja heißt Willi – die beiden zusammen also Mawi. Fortan denke ich an Mawi, wenn ich an das Boot denke, wie schön und wie stimmig! Danke Birgit!!! Beim ADAC werde ich den internationalen Bootsschein wieder ummelden!
Um 18.00 beim Hafenmeister und eine warme Dusche! Großartig! 20.15 gehen wir köstlichsten Fisch essen. An Bord noch ein kleines Bier und schlafen.
Montag, 14.10.2024/Dienstag 15.10.2024
Wieder frühes Aufstehen angesagt! Schnell in die diversen Kleidungsschichten, einen Kaffee und Leinen los. Leider keine Brötchen…. Um 8.00 wollen wir an der Ziegelgrabenbrücke sein, die um 8.20 öffnet. 20 Minuten Kreise gefahren, eine Mandarine gegessen, einem anderen Boot freundlich zugewunken und dann klappte der eine Teil der Brücke tatsächlich nach oben auf. Birgit steuerte wunderbar hindurch und schon ging es weiter.
Wetter heute eher freundlich, etwas Frühnebel, erstaunlich wenig Welle und fast kein Wind. Also eher kein Segeltag – sind auch zu viele Tonnen.
Es ist kalt und wir haben Hunger. Das am Vorabend im Restaurant ergatterte Baguette wird in Scheibchen geschnitten und schon bald gibt es Lachs-, Avocado – und Käsehäppchen. Später wieder etwas mehr Welle, aber Birgit schafft es heute super ohne Super Pepp. Wir nehmen die Fock zur Hilfe und kommen schneller voran. Alles nicht oberspektakulär – inzwischen sind wir mit dem Boot vertrauter! Nach Sandbank, 7 Bft, schlechter Sicht und 1,5m Welle erscheint der heutige Tag wie ein Kinderspiel. Im Hafenbuch lesen wir nochmal nach: 2sm in den Ryck hinein (Fluss von Greifswald), dann würden wir auf Ladebow, unseren Zielhafen, treffen, ein Hafen mit Yachtservice. Alles easy, immer gen Südsüdost unter Beachtung der Tonnen, die Bodo akribisch auf der Karte sucht. Nur nicht noch eine Sandbank! Besonders die Einfahrt in den Ryck ist umgeben von flachen Stellen…wir schaffen es und freuen uns auf ein baldiges Ende, denn es ist heute recht kühl.
Nach etwa 0,5 sm kommt eine Klappbrücke (von der wir nichts wussten) und die ist zu! Wieder kurz vor dem Ziel noch eine kleine Hürde, etwas nervig! Das Googeln der Öffnungszeiten misslingt, aber immerhin gibt es an der Brücke eine Telefonnummer, die wir anrufen können. Birgit klingelt durch, aber Anrufbeantworter…! Ich rufe im Werftbüro an und wir stellen fest, was für ein Glück wir hatten, dass bei der Brückennummer nur der AB dran war. Wir sind nämlich zu weit gefahren! Nicht in den Hafenhandbuchhafen sollten wir fahren, sondern in den Industriehafen. Frau Buß, die Mitarbeiterin der Werft, hatte mir vorab auch eine Beschreibung gesendet – aber wir hatten uns vom Hafenhandbuch irreführen lassen… Nun denn – immerhin nicht auf die Brückenöffnung angewiesen! Den Ryck zurück und dann noch 2 weitere Tonnenpaare, links abbiegen an Tonne G1/G2, schaffen wir, war nur eine halbe Stunde Umweg! Die Anfahrt zu unserem Liegeplatz recht abenteuerlich, denn neben uns stehen! die Vögel im Wasser! Wir umrunden eine Mauer und legen schließlich an einer hohen Pier hinter zwei Booten an. Tatsächlich geschafft!!! Juchhu!
Wir legen unsere Leinen und stellen schon da fest, dass das Boot an sehr rutschig-glitschigen und auch noch leicht morschen und wackeligen Planken liegt, einen Steg kann man das nun wirklich nicht nennen! Fast hätte ich meine Rettungsweste wieder angezogen!
Kurz Herrn Brock aufgesucht, den ich das erste Mal treffe – bin sofort überzeugt, dass er der richtige Mann für mein kleines Boot ist, etwas wortkarg, aber herzlich und supersolide.
Leider haben wir keine Zeit unsere Ankunft gebührend zu feiern, sondern wir müssen sofort die Segel abschlagen. Den Rest will Herr Brock übernehmen – perfekt! Der Großbaum kann folglich dranbleiben! Birgit entpuppt sich als die beste Segelzusammenfalterin aller Zeiten und ruckzuck liegt das gesamte Tuch in Herrn Brocks Halle.
Immer noch keine Zeit zu feiern… wir wollen nun rasch zum Bahnhof! Bodo muss nach Berlin und arbeiten, Birgit und ich wollen gemeinsam das Auto in Hohe Düne holen, wir sind zu müde, um daraus eine Einfrauunternehmung zu machen.
Wir sagen „tschüss“ zu Bodo und sind nach 2,5 Stunden und 2 Umstiegen zurück in Warnemünde. Nach einem köstlichen Fischbrötchen nehmen wir die Fähre zur Hohen Düne, gehen noch einmal beim Hafenmeister (kein Briefkasten für den Transponder vorhanden) und bei den Sanitäranlagen vorbei und steigen dann im Stockdunkeln in meinen kleinen Fiat 500.
Eine ätzende Fahrt! Viel Landstraße, dauernd blendet der Gegenverkehr, ich kann sowieso im Dunkeln nicht gut sehen. Birgit zu müde… Ich schleiche im Schneckentempo dahin und bemühe mich, sich gelegentlich hinter mir bildende hupende Autoschlangen zu ignorieren…Gelingt mittel! Immerhin: um 21.30 sind wir wieder an den Glitschplanken, tasten uns mit zum Glück mitgenommener Taschenlampe zum Boot und können endlich feiern! Wir trinken den wenigen Restwein der letzten Tage, dann wird die neue Flasche aufgemacht – die trinken wir auch.
Um 0.30 geht’s in die Koje, Birgit hat für 8.15 ein Taxi bestellt, denn sie hat einen wichtigen Termin nachmittags in München. Das nenne ich effiziente Zeitplanung ! Ich stelle meinen Wecker auf 7.45 um sie gebührend zu verabschieden.
Aber schon wieder sollte es anders kommen! Um 5.15 werde ich von Birgits Stimme geweckt Auf meine Nachfrage, was denn los sei, meint sie, sie habe Nasenbluten. Mh, denke ich, Nasenbluten ist ja nicht wirklich was Schlimmes und stehe auf… Huch! So etwas habe ich im Leben noch nie gesehen: das Blut schießt geradezu aus Birgits Nase und Versuche, diese zusammenzudrücken, um die Blutung zu stoppen, helfen nullkommanull! Eine durchblutete Küchenrolle und einem Beinahekollaps von Birgit weiter, beschließe ich die Rettung anzurufen,
Diesmal 112 anstelle von 124124. Schnell nochmal nach Vorschlägen im Internet geschaut, aber dort gibt es auch keinen besseren Ratschlag. Ich bescheibe telefonisch unseren Liegeplatz und schildere die rutschigen Planken höchstdramatisch: ein ins Wasser gefallener Rettungssanitäter kann schließlich nicht helfen! Den vor der Reise noch organisierten Scheinwerfer stelle ich als Markierung auf das Deck! Nach etwa 20 Minuten kommt ein recht beleibter, leicht fluchender und sehr freundlicher Herr anbalanciert und nimmt Birgit – der es inzwischen etwas besser geht – im Dunkeln mit! Puh!
Gute Entscheidung! Im Rettungswagen fängt die Blutung erneut so stark an, dass die bei Birgit weilende Rettungssanitäterin fast panisch wird… Nachdem in der HNO-Uniklinik auch blutstillende Schwämmchen nichts helfen, wird das blutende Gefäß schließlich vom diensthabenden HNO-Arzt verödet. Nach 2stündiger Beobachtung nimmt eine Krankenschwester nach deren Dienstende Birgit mit zum Markt, wo es ihr nach Rührei, Toast und diversen Tees dann besser geht.
Ich habe unterdessen erstmal geraucht und Kaffee getrunken, ein wenig das Schicksal beklagt und dann beschlossen, dass vor allem letzteres nichts nützt. Also alles zusammengepackt und Blutspuren beseitigt. Und natürlich halbstündig den Sonnenaufgang fotografiert …Da Birgit ja den neuen und bleibenden Bootsnamen Mawi ersonnen hatte, war das wohl jetzt eine echte Blutstaufe gewesen…
Gegen 10.00 alle Reparaturarbeiten mit Herrn Brock durchgesprochen (ich denke der ist der absolute Glücksfall!) und dann mühevoll jedes Gepäckstück einzeln die Planken entlang Richtung Auto balanciert. Sehr mühsam!
Im Auto die am Vortag nicht verzehrte Salatbowl verspeist, dann zum Marktplatz Greifwalds.
Birgit sieht viel!!! besser aus und auch wieder wie ein Mensch . Wir sitzen noch eine halbe Stunde in der Sonne, trinken Cappuccino und dann geht es zurück nach Berlin. Unser erstes Bootsabendteuer ist beendet. Und noch eine Prise Glück gibt’s: Birgits Zug am frühen Morgen war ausgefallen, so kann sie jeden Zug nach München als Ersatz nehmen, obwohl sie eigentlich eine Zugbindung hatte. Und ihr wichtiger Nachmittagstermin: wurde wegen Corona abgesagt!
„Und immer immer wieder geht die Sonne auf…“
Wir alle drei fanden: es war ein toller Törn!
P.S. Es folgten zu Hause 2 Nächte à 9 Stunden Schlaf !
Monate später: von Greifswald nach Berlin!
im April wollte ich eigentlich starten, aber irgendwie zog sich alles hin und die Lieferung eines neuen Motors dauerte ewig!!! Zwischenzeitlich war ich so genervt (schaute in meinen Terminkalender, 10 Tage nichts eingetragen…), dass ich im Mai spontan Freund:innen in Süddeutschland, meinen ersten Chef in Weißenhorn (bei Ulm) und das Allgäu besuchte.Und irgendwie half mir diese Woche mich nicht mehr über Dinge zu ärgern, die ich sowieso nicht ändern kann. „Et kütt, wie et kütt“ würden die Kölner:innen sagen, aber ich bin ja aus Düsseldorf!
Dann war es endlich soweit und mit derselben Crew ging es Mitte Juni nach Berlin. Diesmal bei schönstem Wetter 🙂
Tag 1: bis Wismar
Tag 2 bin Mönckebude – supernett mit kleinem Strand. Der Elektriker kam nochmal vorbei, um AIS, Plotter und Autopilot zusammenzuschließen.
Tag 3 bis Schwedt – dort Anlegen bei viel zu wenig Wassertiefe (wie ist denn eigentlich das Echolot eingestellt?) und ein Fest von 300 Studierenden im Hafen. Zum Glück keine AFD-Truppe (das besorgte uns mehr, als die zu erwartende Lautstärke), sondern Formel 1 Fans :)! Und: wir glaubten es kaum: um 2.00 morgens war tatsächlich Ruhe. Das wäre in meinen Studentinnenzeiten anders gelaufen…
Tag 4: Birgit musste zurück nach Starnberg, mit Bodo weiter nach Marienwerder, dort wegen Gewitterwarnung (kam nicht) angelegt. Küche um 19.00! geschlossen, am Wochenende! Wir haben trotzdem noch etwas bekommen – zum Glück!
Tag 5: Berlin! Vollgetankt und zum VSaW – dem Seglerhaus am Wannsee. Ich bin dank Phelan (Freund meiner Tochter) und seiner Familie dort bis 1.10. Gastliegerin. Toller Liegeplatz in erster Reihe mit Blick auf den Wannsee. Der VsAW ist der 2.älteste Segelclub Deutschlands, mein Boot ohne Mast (der ist schon in Südfrankreich) sieht etwas arm aus.
erste Schleusen
1A Interimsliegeplatz am Wannsee
Endlich Bootstaufe
eigentlich…soll man/frau ja ein Boot gar nicht umtaufen – angeblich bringt das Unglück! Unglück möchte ich nicht, aber ein Boot, welches Albatros heißt, auch nicht. Manche sagen, man könne es umtaufen, wenn es aus dem Wasser gehoben wurde (war es ja), andere meinen, dass 3 Kreise gefahren werden müssen, um der Seeschlange Macoui (jedes Boot hat einen solchen Macoui) den Kopf abzufahren… Nicht schön! Besser: dem alten Macoui wird Alkohol gegeben, dann ist dieser betrunken, verlässt das Boot und der neue kann derweil an Bord gehen.
Ich entschied mich dafür, dass einmal aus dem Wasser reichen muss! Mit Birgit und Maya als Taufpatinnen, Girlanden, Blumen und Fingerfood wurde es ein richtig nettes kleines Fest!
Und…
So langsam drängt es mich weiter – bis Oktober hier zu verweilen erscheint mir plötzlich etwas lahm und ich plane es mal zumindest bis Neuss zu versuchen , denn da wohnt meine Schwester. Allein traue ich mich noch nicht, sehr schwierig zu manövrieren so ein Langkieler…
Mit Micha Weber (Segelschule Weber, sehr zu empfehlen! – da habe ich alle meine Scheine gemacht) noch Einzelstunden vereinbart und neben perfekten Manövertricks auch noch viel über Motor, Seeventile etc. erfahren. Auch von der weiter oben erwähnten Dieselpest (Bakterien im Tank, die durch Biodiesel wachsen können und letztlich den Motor zerstören können) erfahre ich das erste Mal! Zum Glück gibt es Bakterienschutz! An was ich so alles denken muss…
Es geht wirklich los! Mawi fährt gen Westen! Ich auch!
Abfahrtstag ist der 28.8.25 – es regnet in Strömen. Also rein in die Seglekluft und Abschied vom VsAW… Bodo ist wieder dabei, ab Hannover dann auch Birgit, also die schon eingeschworene Crew, super Einstieg in die geplante Tour!
Am Vorabend habe ich alles, was wir so brauchen, schon an Bord gebracht: Nudeln, Schokolade, Kaffee, Wasser Nüsse und mehr. Das war weise, jetzt wäre alles pitschepatschenass geworden. Die Sicht ist schlecht, die Scheibenwischer auch!
Egal, es geht los und das ist die Hauptsache, ich bin richtig aufgeregt! Erstes Ziel ist Brandenburg an der Havel. Wir passieren die ersten Frachter – gewöhnungsbedürftig! Entweder sind wir mutter- und vaterseelenallein oder es gibt viele Frachter auf einmal – die könnten sich besser verteilen, wie ich finde.
Die erste Schleuse passiere ich mit Michas Ausfahrtrick bravurös und wir legen gegen 18.00 im Stadthafen an. Recht teuer, dafür sehr guter Service.
29.8.25
Deutlich besseres Wetter, sogar die Sonne lächelt gelegentlich zwischen den Wolken…Unser Ziel, den Mittellandkanal (MLK) zu erreichen, müssen wir aufgeben: zu weit! Über Havel und Elbe-Havel Kanal das Örtchen Burg als Zielpunkt erkoren, aber die dortige Marina ist voll und der Stadtanleger gefällt so gar nicht (viel Betrunkene). Bodo hat eine andere Marina im Niegripper Kanal auf der Karte entdeckt und wir fahren in den kleinen Stichkanal. Oh weh! Ziemlich flach, nur kleine Motorboote rechts und links, keine Möglichkeit zu drehen, auch keine Marina. Ätzend! Zum Glück gibt es am Ende den Niegripper See, der scheint für ein Umkehrmanöver geeignet. Ein Traum! Bei schönstem Nachmittagslicht fahren wir ein und beschließen spontan zu ankern. Klappt beim 2. Versuch und wir verbringen eine unerwartete Nacht auf dem See (nur 2 Boote außer Mawi) und erleben einen wunderbaren Sonnenuntergang! Auch die Kartoffeln mit Quark sind von der Stimmung angesteckt und schmecken besser, denn je!
30.8.25
Eigentlich hole ich morgens ganz brav meine Yogamatte hervor und mache auf dem Steg Gymnastik und dann eine 7 Minuten „Challenge“ (danke für den Tipp, Micha). Aber heute erwachen wir ja auf dem Boot und fahren nach dem ersten Kaffee durch den kleinen Nierepper Kanal zurück zum Elbe-Havel Kanal. Kurz danach kommt mit 18,5m Hub eine der größten Binnenschleusen der gesamten Strecke. Es ist eine Doppelsparschleuse und kann durch 3 in den Wänden versteckte, übereinanderliegende Sparkammern ca. 60% des Wasserverbrauchs einsparen.
Wir schleusen nach oben, fahren also in die hochwandige, etwas bedrückend wirkende Kammer – wie ein Gefängnis!
da ist schon mindestens die Hälfte geschafft
Wir liegen auch noch im Päckchen (ein anderes Boot hat in der Mitte an Mawi festgemacht) und so hilft uns ein Mann vom Nachbarboot…
Kurz nach der Schleuse der sogenannte „Trog“ – eine Wasserbrücke über die Elbe. Alles um uns herum sieht aus wie in Schlumpfenland – wir sind höher! Sehr beeindruckend.
Danach der Mittellandkanal! Dieser zieht sich mit 325,3km als die längste künstliche Wasserstraße Deutschlands (Wikipedia :)) – wir werden ihn komplett durchfahren, denn er verbindet den Elbe-Havel Kanal mit dem Dortmund-Ems Kanal und da müssen wir hin!
Immer wieder große Frachter, aber oft auch wir ganz allein. Und so beschließe ich den Autopiloten (Selbststeuerungsanlage des Bootes) mal auszuprobieren, denn sollte ich mal ein Stück alleine fahren, muss ich ja zwischendurch mal Leinen aufklaren oder auch den Kanal des Funkgeräts umstellen. Funktioniert tadellos – Boot fährt geradeaus. Schnell den Funkkanal tatsächlich umgestellt, Boot fährt immer noch geradeaus und ich setze mich entspannt wieder auf meinen schicken Retrokapitäninensessel, um alles zu beobachten, denn eigentlich ist der Autopilot nicht für die Fahrt auf Kanälen gedacht. Wie ich dann sehr schnell feststellen darf. ..
Plötzlich macht das Boot eine 90 Grad Wendung nach steuerbord (rechts) und ich fahre mit ziemlicher Geschwindigkeit 6 Knoten mit dem Bug auf die rostige Spuntwand zu – Panik!!! Zwar stelle ich den Autopiloten wieder auf manuelle Steuerung, vergesse aber das Steuerrad zu lösen – zuviel auf einmal und ich bin nicht routiniert genug mit den einzelnen Handgriffen. Weiterhin Bug gen Spuntwand und ich sehe innerlich das Boot schon in Trümmern. Im letzten Augenblick fällt mir ein, dass ich ja ein Bugstrahlruder (eigener Motor nur für die Beweglichkeit des vorderen Schiffteils) besitze und reiße das Boot herum. Gleichzeitig volle Pulle Rückwärtsgang, um zu stoppen. So ist der Bug gerettet, allerdings schrappt Mawi mit der rechten Seite an der Spuntwand entlang – mehrere Risse und Schrammen. Was für ein Schock! Bodo übernimmt das Steuern – ich muss mich erstmal wieder sammeln.
Abends sende ich Bilder nach Berlin zu Micha Weber – der Gelcoat (Hartlack zum Schutz der inneren Bauteile) muss gemacht werden, da sonst Feuchtigkeit in das Boot dringen kann… ätzend! Da der Autopilot über das GPS funktioniert, ist eine mögliche Erklärung, dass er kurzfristig kein Signal bekommen hat…
Nach dem Schreck weiter nach Wolfsburg: Motorsportclub, eine kleine Marina und mir ist es nach dem heutigen kleinen Disaster ein Rätsel, wie ich das Boot da wieder herausbekommen soll.
Abends Spaziergang – die VW Türme leuchten in verschiedenen Farben
31.8.25
wie erwartet: knifflig aus dem engen Hafen zu kommen, aber geschafft. Und ich bin auch nicht mehr soooo verzagt – einige Dinge muss ich wahrscheinlich unter dem Begriff „Lehrgeld“ abhaken.
Weiter MLK, Schleuse Sülfeld nach ca. 30 Minuten Fahrt. Nach den anfänglichen Berührungsängsten bin ich inzwischen eine große Freundin meines Funkgeräts und quatsche immer nett mit den Schleusenwärtern und -wärterinnen. Wir dürfen hinter Navigare 3 in die Kammer, einem Frachter, den wir bereits 2 x überholt hatten. Hat nicht viel geholfen…
Kurz vor Hannover kommt dann noch die Schleuse Anderten, 14,7 m bergauf, nach einiger Wartezeit wieder hinter Navigare 3. Erkenntnis des Tages: Überholen von Frachtern bringt meist nichts! Ankunft in Bodos Heimatstadt Hannover erst um 20.30, dann erstmal alle Risse des Vortagmalheurs mit Tesa verklebt – das Boot sieht jetzt aus wie ein Kleinkind mit mehreren Pflastern.
Mit Bodos Schwester noch in das Restaurant der Stadtmarina, Küche aber dicht.
1.9.25
Pausentag! Zu Fuß 1h zum Baumarkt, der eine nautische Abteilung hat. Alles mögliche gekauft: Dieselschutz, Fender, Schmirgelpapier et al., Kaffe getrunken, Regen. Uber bestellt, unterwegs festgestellt, dass alles neu Erworbene im Café geblieben ist – nur der Fender ist noch da. Zum Glück gerade im Uberauto – gedreht, alles noch da.
Der Plan Birgit vom Bahnhof abzuholen scheiterte an einem Strick im Ruder – komplizierte Bootshakenaktion, aber geglückt. In das dieselreiche Wasser des MLK wäre ich nur äußerst ungern gesprungen.
Letztlich Birgit an der Bushaltestelle abgeholt und ein gemütlicher Freundinnenabend, Bodo übernachtet heute bei seiner Schwester.
Willkommen in den meisten Marinas 🙂
2.9.25
weiter gehts…(nach der Morgengymnastik und dem Kaffee), wieder ein „Trog“, diesmal über die Weser. Schlumpfenland um uns herum. Kaiser Wilhelm Denkmal und Porta Westfalica gesichtet, Sonne und Reggae – Bodo hat dankenswerterweise eine Box dabei, ich bin Abonnentin von Spotify – passt! Nach dem Reggae mehrfach „Over the Rainbow“ gehört, passt auch! Schließlich sind wir ja „over“!
OFFICIAL Somewhere over the Rainbow – Israel „IZ“ Kamakawiwoʻole
Ziel heute: Bad Essen, wo wir meinen früheren Kommilitonen Uli und seine Frau Kristina treffen wollen, die wohnen in der Nähe von Osnabrück .
Marina fast verpasst, hektisch 2 Kurven gefahren und Bug nun auch noch geschrammt. Wie heißt es so schön: „in Häfen (und in Schleusen) ist die Langsamkeit dein Freund…“. Bin selbst schuld und ärgere mich furchtbar – und gelobe Besserung.
Uli und Kristina erwarten uns schon und haben ein ganzes Abendessen incl. einer Flasche Wein und einem kleinen Rolltisch mitgebracht. Supernett! Der Tisch passt perfekt ins Cockpit und es gibt ein köstliches Büffet. Wir freuen uns wirklich sehr! Danke!!!!!!!
3.9.25
erstmal Boot verlegt, um vorwärts aus dem Hafen fahren zu können. Ich bin heilfroh, dass ich ein AIS (ein automatisches Identifizierungssystem) habe einbauen lassen. So können wir auf dem Plotter (elektronisches Navigationssystem) alle Frachter sehen, denn für die Berufsschifffahrt ist ein AIS Pflicht. Und: sie können uns auch sehen. Dass erleichtert die Einfahrten ungemein und wir können einfach eine Frachterpause abwarten.
Wir versuchen einen sehr langsamen Frachter zu überholen, aber der mag das nicht und beschleunigt, als wir ungefähr seine Mitte erreicht haben und drängt uns nach links ab. Ekelhaft! Wir nennen ihn fortan den A…. und brechen das Manöver ab. Daraufhin wird auch er langsamer und hält uns ewig an seiner Seite. Also ein Obera….!!! Dann fährt er extra sehr langsam und wir zockeln hinterher. Blöderweise biegt er – genau wie wir – nach links in den Dortmund-Ems Kanal ab (hätte ja auch rechts in die Niederlande zurückfahren können). Kurz vor Münster (unser Tagesziel) beschleunigt A…. überraschend und schafft es eine Minute vor Schließung einer Einwegpassage (wegen Enge) noch durchzuhuschen, wir bleiben hängen und müssen eine Stunde warten. Falls A…. das genauso geplant hat, können wir ihm einen gewissen IQ leider nicht ganz absprechen.
Um 20.00 dürfen auch wir weiter und kommen somit im völligen Dunkel in Münster an. Mit Scheinwerfer beleuchten wir die Stadtufer und tasten uns ganz langsam zum historischen Stadthafen vor. Keine Marina, aber spektakulär. Die Anleger werden besser :)!
4.9.25
Bodos Geburtstag! Also unbedingt im Hellen ankommen und schön essen gehen – das ist das Ziel des Tages. Gymnastik vor Kulisse Münster , Geburtstagskaffee und los! 3 Schleusen, eine mit 12,5 m Hub. Immer Wartezeit! Immer langsame Frachter! Und welche, die plötzlich Manöver fahren, wie der Frachter Wotan, den wir umfahren müssen – ein wahrer Goliath! Calisto vor uns, ebenfalls riesig, fährt 2 – 3 Knoten, wir hinterher. Stimmung an Bord recht genervt, aber die Musikbox rettet uns und wir wünschen uns abwechselnd lange nicht gehörte Songs aus vergangenen Zeiten: Cat Stevens, Melanie, Queen…
Natürlich doch dunkel! Und plötzlich strömender Regen, Segelzeug und Gummistiefel. Marinaeingang klein, aber gefunden und einfach längs an einem Anleger der „Weißen Flotte“ (Ausflugsdampfer) festgemacht und : Glück im Unglück: die fahren nur mittwochs den Hafen in Oberhausen an und es ist Donnerstag! 21.00! Hafenmeister schon weg. Um noch zum Geburtstagsessen zu kommen, müssen wir über den Zaun klettern. Auch das gelingt und wir finden einen wunderbaren Italiener mit köstlichem Fisch. Auch das Zurückklettern klappt erstaunlich gut!
5.9.25
Oberhausen! Geburtsort meines Vaters und meiner Großeltern – mehr weiß ich darüber eigentlich nicht. Früher viel Kohleindustrie – mein Urgroßvater war Kohlearbeiter – früh gestorben. Hart!
Aber wir haben gerade andere Sorgen: wir müssen Diesel tanken. Bis Duisburg war geplant, aber laut Internet hat die Tankstelle dort wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Am Vortag in Castrop Rauxel angefragt – aber die betanken nur von 11.00 – 13.00 – wir waren zu spät! Und auch laut Netz: am DEK gibt es für Sportboote kaum Tankstellen. Schade!
Wir füllen die 20 l Reserve ein und machen uns zu Fuß auf zur 1 km entfernten Shell Tankstelle , kaufen noch einen 10l Kanister und schleppen die 30l zum Boot, alles in den Tank und wieder los- nochmal! Birgit und Bodo gehen zwecks Reserve sogar ein 3. Mal – nicht gerade unsere Lieblingsbeschäftigung! Ich darf in der Zeit duschen – dringend erforderlich!
Erst um 13.30 Leinen los, aber nur eine kurze Strecke bis zur Marina Duisburg, 2 Schleusen – das sind die letzen auf unserer Strecke zum Rhein. Etwas Irritation bei Duisburg Meiderich, denn die Schleuse ist geschlossen und wir müssen laut sehr nettem Schleusenwärter ein Stück zurück zur Ruhrschleuse (sind inzwischen auf dem Rhein-Herne Kanal -RHK). Da steht schon ein Frachter in der Schleuse und wir hören über Funk: „wir warten noch kurz auf das Sportboot“, nämlich auf uns. Ich bedanke mich sehr und wünsche dem Schleusenwärter einen schönen Tag. Das Rheinland hat mich wieder…die Menschen sind einfach offen, gesellig und munter.
Kurz nach der Schleuse Einfahrt in den Rhein – wow!!! Gegen den Strom sofort auf 3 Knoten abgefallen, viele! Frachter, aber heute ist es nur eine kurze Strecke bis bei km 776,8 (die Flüsse und Kanäle haben km Beschriftungen) die Einfahrt in den Duisburger Außenhafen erfolgt. Auch wow! Von dort in den Innenhafen durch schmale Tore, dann die Marina. Meine Anlegemanöver werden immer langsamer, aber auch immer besser. Unser sehr netter Bootsnachbar (Kanalboot, gerade aus Lyon zurück) versorgt uns mit seiner Stromkarte mit Strom, seine weiße Katze verscheuchen wir trotzdem von Mawi.
Endlich mal im Hellen angelegt! Abends Rundgang durch Duisburg und Humus und Fallafel in einem syrischen (?) Imbiss.
Suchbild mit Mawi
6.9.25
Heute soll es in meine Heimatstadt Düsseldorf gehen und ich freue mich! Aber erstmal:
Gymnastik auf dem Steg!
Um 8.00 durch Innen- und Außenhafen zurück zum Rhein und per AIS eine Frachterlücke abgepasst – gar nicht so einfach! Der Rhein überraschend wellig, wieder viele Frachter – immer 2 Leute müssen im Cockpit sein um alle Seiten zu beobachten ( hinter mir und vor mir, zu beiden Seiten… gilt es leider! ). Wir haben (schon gestern) unsere Rettungswesten angezogen und finden es anspruchsvoll.
Und dann nähern wir uns Düsseldorf und ich finde das ganz großartig. Ab der Kniebrücke steuern die anderen und ich sitze vorne und bin sehr begeistert mit dem eigenen Boot hier anzukommen.
Ein Platz im Medienhafen ist reserviert und wir legen zwischen den berühmten Gehrybauten nach 6 Stunden sicher an. Meine Schwester und ihr Freund filmen unsere Einfahrt (wunderbares Anlegemanöver) und besuchen uns dann an Bord.
Abends auf der Rheinpromenade (die gab es früher gar nicht – da fuhren Mengen von Autos, das Düsseldorfer „Jahrhundertvorhaben“ hat den Autoverkehr in Tunnel umgeleitet, um das Rheinufer für die Bevölkerung zugänglich zu machen – ist perfekt gelungen) Wir sind plötzlich auf einem Festival: „200 Jahre Sparkasse“. Nicht gerade unser Thema, aber es gibt leckeres indisches Streetfood und eine Band, die alte Düsseldorfer Lieder spielt, die ich ewig nicht gehört habe,… ich bin sehr begeistert und singe lauthals mit. (Texte werden besser nicht bekannt gegeben).
Birgit hat unterdessen eine alte Freundin und deren Mann gebeten an den Medienhafen zu kommen, die treffen wir aber nur kurz, da sie im oben erwähnten Tunnel eine Schraube in ihren Reifen gefahren haben und schnell wieder nach Hause wollen, bevor der Reifen platt wird. Also gehen wir zu dritt – nach den Düsseldorfer Liedern – in eine gechillte Location am Rhein und trinken einen Mojito auf unsere tolle Tour – es ist Birgits letzter Abend!
7.9.25
Abschied von Birgit, sehr traurig, aber sie kommt wieder und begleitet mich immer mal wieder streckenweise eine Woche…Sie gibt Mawi einen letzten Stoß, denn das Herausfahren aus dem Medienhafen ist nicht ganz ohne… aber klappt… (die Langsamkeit macht es, ich lerne).
Wieder per AiS eine Frachterlücke abgewartet, diesmal recht lange vor der Rheineinfahrt rumgedümpelt. Ziel ist der Sporthafen in Neuss, da muss das Boot ca. 3 Wochen bleiben. Meine Schwester wohnt nur etwa 100 m entfernt, hat den Liegeplatz organisiert und kann ab und zu mal nach Mawi schauen.
Endlich haben wir eine Lücke und fahren los. Nur ein paar km, denken wir, aber die sind extrem stressig. Frachter ohne Ende, sich überholend, uns überholend, entgegen kommend. Einen haben wir nicht beachtet, er fährt von hinten in ca. 1/2 m Abstand an uns vorbei. Viele Kurven – die Frachter nehmen immer die Außenkurve, wir müssen je nach Kurvenrichtung immer die Seite wechseln. Und das gegen den Strom. Die Nacht war kurz, wir sind müde, es ist anstrengend!
Wir passieren – nicht in bester Stimmung – 2 Brücken und endlich kommt auf der rechten Seite die Minieinfahrt zum ebenfalls kleinen Sportboothafen. Wir müssen den Rhein wieder kreuzen, um diese zu erreichen und trotz AIS kommt ein Frachter soooo schnell, dass ich das Manöver abbrechen muss. Erneuter Versuch: gegen den Strom etwa 50 m aufwärts gesteuert, da das Boot sofort vertreibt. Geschafft! Im Hafen Neuss finden wir unsere Anlagestelle nicht und machen erstmal an einem Gastliegeplatz fest. Viel Wind!
Meine Schwester kommt, um uns den Platz zu zeigen, wir sind inzwischen herumgelaufen, um zu suchen. Plötzlich bin ich nicht mehr herumlaufend, sondern unter Wasser – ein Fehltritt. Für Bodo und meine Schwester Anja war ich plötzlich weg, hatte ich doch keinen Laut von mir gegeben. Richtig schrecklich sich plötzlich unter Wasser zu befinden, aber noch mit Rettungsweste, die mit erstaunlich lautem Knall öffnete. Mein Handy hatte ich festgehalten und muss wohl als erstes um dessen Abtrocknen gebeten haben – Schock! Bein rechts schmerzhaft, ich zittrig – aus dem Wasser zu kommen (keine Leiter) schwerer, als gedacht. Mit aufgepusteter Rettungsweste umher gepaddelt und schließlich einen Unterwasserholzbalken gefunden, Bodo hatte inzwischen das Schleusenbbrett geholt – das hat Stufen. Mit seiner Hilfe dann auf den Steg an Land und erstmal hingelegt… Ist ein recht großer Unterschied, ob man vorhersehen kann, dass man/frau ins Wasser fällt und vorher schreit oder ob man/frau plötzlich unter Wasser ist. Keine schöne Erfahrung, aber Glück gehabt: Schwimmweste hat perfekt funktioniert, nicht den Kopf gestoßen (war zwischen Steg und Boot), Bein dick, blau und ziemlich geschürft, aber nicht gebrochen, Handy hat auch überlebt.
Nach Kaffee, Schokolade, trockenen Klamotten und Entzittern dann an den richtigen Platz gefahren und da liegt nun Mawi für die nächsten 3 Wochen, bis es Anfang Oktober weitergeht gen Süden.
Gegen den Wind geflogen und das offenbar derart, dass ungeplant in Budapest aufgetankt werden musste…statt 12,5 Stunden folglich 16 Stunden im ✈️ und eine lange Wartezeit für meine beste Freundin Doris, die mich abholte und dann nach Aachen fuhr. Noch ein bisschen Auszeit und total schön sie zu sehen.
Einzig grausam: minus 8 Grad!!🥶!!! Das hatte ich zwar vorher gelesen, aber das Fühlen ist völlig anders, nämlich richtig eklig 🥶 KALT 🥶 🥶🥶! Könnte hier noch Dutzende dieser kleinen blauen Friergesichter einklicken – ich war geschockt!
Also nach nettem Freundinnenabend am nächsten Tag eine Winterjacke gekauft – die brauchte ich sowieso und habe somit direkt etwas Anstehendes erledigt …schon besser!
Mit geliehenen Winterstiefeln nach 2 Tagen weiter gen Neuss – immer noch Auszeit! Meine liebe Schwester Anja hat mich auch fürstlich empfangen und wir hatten einen wunderbaren Nachmittag und Abend. Wie schön 😍 nach dieser langen Zeit !
Dann weiter gen Witten Herdecke zur Tagung der „Gesellschaft für Tropenpädiatrie und Internationale Kindergesundheit“, ein passender Einstieg in das bald anstehende Berufsleben.
So viele Stationen, so viele Eindrücke…und doch blieb immer Zeit, mich zu besinnen, mich Neuem zu wappnen und mich darauf zu freuen. Habe tolle und weniger tolle Bücher gelesen, meist Romane, die in dem jeweiligen Land spielen, in dem ich gerade war. Nette Menschen habe ich kennengelernt, bin eine Meisterin des wenigen Gepäcks geworden und hatte – vor allen Einkäufen 😀😀 – nur noch 9 kg dabei. Und die waren inclusive Eigengewicht des nicht gerade leichten Rucksacks, einem Kilogramm an Medikamenten gegen und für dies und jenes (zum Glück fast nichts gebraucht) und allen meinen Cremes, Lotionen und was ich sonst noch so gegen ☀️, gegen Moskitos und für die Haut meinte zu brauchen (Packliste auf Wunsch 😅😀). Nach 6 Wochen waren die Energietanks wieder voll und ich fiel in den von mir geliebten Reisemodus…immer weiter hätte es gehen können…
Also ist es auch gut, dass ich jetzt mal nach Hause fahre, ich freue mich auch! Vor allem auf die Menschen, besonders auf meine Tochter, aber auch auf meine Schwester, meine Freundinnen und Freunde…. , meine Freundin Doris holt mich morgen vom Flughafen in Düsseldorf ab (beginne mein Leben in Deutschland mit einer Tagung in Herdecke). Und ein bisschen freue ich mich auch auf die Arbeit, das hätte ich vor 3 Monaten nicht gedacht. Der Winter stört, aber der geht ja immer vorbei – zum Glück!
Bali
Australien
Marquesas
Tuamotos
Segeltörn Gesellschaftsinseln
Hongkong
Hoi An- Vietnam
Siem Reap – Kambodscha
Nach der Reise ist ja immer auch vor der Reise…😀 und da gibt es natürlich schon neue Ziele in meinem Kopf…
Allen Leserinnen und Lesern dieses kleinen Blogs ein wunderbares 2019 – freue mich Euch alle bald wiederzusehen. Falls Schnee liegt, werde ich noch ein letztes Bild einfügen!
Den letzten Tag verbringe ich dann tatsächlich größtenteils am 🏊♀️, finde das herrlich und wundere mich, dass mir dies genau das erste Mal seit Beginn meiner Reise glückt. Aber es war immer alles zu neu, zu spannend, zu aufregend…und ich war immer zu neugierig.
Erst am Nachmittag verlasse ich mein wunderbares Domizil und besuche ein Zirkusprojekt. Die Organisation „Phare“ unterrichtet 1200 Kinder aus armen Familien und legt besonders viel Wert auf künstlerische Bildung. So gibt es mittlerweile 150 professionelle Künstler, die unter anderem auch den Zirkus unterhalten. Ich habe Spaß, , und erfreue mich an den akrobatischen Attraktionen .
Abends noch ein letztes Mal Nachtmarkt, am nächsten Tag, nämlich heute, in Bangkok gelandet. Erneut Immigration und nun wirklich das allerletzte Domizil in der Flugschneise, denn morgen früh heißt es endgültig zurück. Das wird ein Temperatursturz von 38 Grad! Also bitterkalt!
Die Menschen, die wie ich hier ihre letzte Nacht verbringen, machen auch alle das Gleiche wie ich: letztes Antimückenspray auftragen und Freude übers 😅 Schwitzen!